Wie chinesische Verkäufer Elektroroller und Elektrofahrräder in die Europäische Union schmuggeln

Europäische Behörden gehen hart gegen eine Welle importierter Elektrofahrräder und Elektroroller aus China vor, die Einfuhrzölle, Steuern und Sicherheitsvorschriften umgehen.


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How Chinese Sellers Smuggle E‑Scooters and E‑Bikes into the EU

Europäische Behörden gehen massiv gegen eine Welle importierter Elektrofahrräder und Elektroroller aus China vor, die Einfuhrzölle, Steuern und Sicherheitsvorschriften umgehen. Chinesische Verkäufer haben eine Vielzahl von Schmuggeltaktiken angewandt – von der Fälschung von Zollpapieren bis hin zur Ausnutzung von Mehrwertsteuer-Schlupflöchern –, um hohe Zölle zu vermeiden. Zum Hintergrund: Die Europäische Union hat hohe Handelsschutzmaßnahmen gegen chinesische Elektrofahrräder verhängt (Antidumping- und Ausgleichszölle von insgesamt bis zu ca. 87 % ihres Wertes), um europäische Hersteller zu schützen. (Elektroroller sind bisher nicht von ähnlichen Antidumpingzöllen betroffen.) Durch das Umgehen dieser Gebühren können betrügerische Importeure rechtmäßige Unternehmen mit künstlich niedrigen Preisen unterbieten. Dieser Artikel untersucht, wie diese Machenschaften funktionieren, beleuchtet wichtige Strafverfolgungsfälle in ganz Europa und erklärt die Risiken für Verbraucher – abschließend mit Tipps, wie man Betrug vermeidet und E-Mobilitätsprodukte sicher kauft.

Taktiken zur Umgehung von Einfuhrzöllen und Steuern

Schmuggler nutzen ausgeklügelte Methoden, um Elektrofahrräder und Elektroroller am Zoll der Europäischen Union vorbeizuschleusen, ohne die erforderlichen Antidumpingzölle, die Mehrwertsteuer oder reguläre Zölle zu zahlen. Zu den häufigsten Taktiken gehören Falscherklärungen von Waren, der Missbrauch spezieller Zollverfahren, betrügerische Mehrwertsteuersysteme und die Verschleierung der wahren Herkunft der Produkte. Oft werden diese Tricks kombiniert, um komplexe Betrugsnetzwerke zu schaffen. Im Folgenden schlüsseln wir die wichtigsten angewandten Methoden auf.

Falscherklärungen und Unterbewertung

Ein grundlegender Trick ist die Falschdeklaration des Inhalts oder des Wertes der Sendung in den Einfuhrpapieren. Betrügerische Importeure deklarieren Elektrofahrräder möglicherweise als andere Produkte, auf die keine Einfuhrzölle anfallen, oder geben den Wert drastisch zu niedrig an, um den steuerpflichtigen Betrag zu senken. Bei einer kürzlichen Razzia in der Europäischen Union deckten Ermittler 380 gefälschte Einfuhrerklärungen auf, bei denen Elektrofahrräder unterbewertet und ihr Ursprungsland falsch angegeben wurde. Durch die Angabe eines niedrigeren Preises oder einer falschen Produktkategorie entzogen sich die Täter einem erheblichen Teil der Einfuhr- und Antidumpingzölle, die normalerweise anfallen würden. In einem anderen System wurden chinesische Elektrofahrräder durch gefälschte Dokumente als „Ersatzteile“ oder andere Artikel ausgegeben, die nicht dem Antidumpingzoll von 87 % unterliegen. Diese Falscherklärungen ermöglichen es, dass Container mit Elektrofahrrädern den Zoll scheinbar harmlos oder als geringwertig passieren und so den ordnungsgemäßen Abgaben entgehen.

Missbrauch von Zollversandregeln (Verfahren 42)

Viele Betrüger nutzen Zollregelungen der Europäischen Union aus, die eigentlich zur Erleichterung des rechtmäßigen Handels gedacht sind. Ein Paradebeispiel ist der Missbrauch von Versandverfahren und dem Zollverfahren 42. Unter Verfahren 42 können Waren, die in die Europäische Union eingeführt werden und für einen anderen Mitgliedstaat bestimmt sind, im Einfuhrland mehrwertsteuerfrei importiert werden (die Mehrwertsteuer soll im Bestimmungsland gezahlt werden). Ebenso setzt das Versandverfahren Zölle und Mehrwertsteuer aus, während sich die Waren durch die Europäische Union zu einem endgültigen Abfertigungspunkt bewegen. Schmuggler haben diese Regeln ausgenutzt, indem sie in China hergestellte Elektrofahrräder im Transit zu einem Nicht-EU-Ziel oder einem anderen EU-Land deklarierten – und so zunächst Mehrwertsteuer oder Zölle vermieden –, die Sendungen dann aber in lokale Lagerhäuser umleiteten, ohne jemals die Steuern zu zahlen. In einem polnischen Fall wurden Container mit Elektrofahrrädern als „im Transit“ durch die Europäische Union deklariert, aber heimlich in Polen entladen, ohne jemals den vermeintlichen Bestimmungsort zu erreichen. In einigen Fällen wurden sogar fingierte Behauptungen aufgestellt, die Waren hätten die Europäische Union verlassen, obwohl sie tatsächlich im Inland verkauft wurden. Bis die Steuerbehörden bemerken, dass die Waren den Transit nie wirklich verlassen haben, sind die Fahrräder bereits an Verbraucher verkauft und die Importeure verschwunden.

Mehrwertsteuerbetrug durch „Missing Trader“

Eine weitere Ebene des Systems umfasst den komplexen Mehrwertsteuerbetrug, der als „Missing Trader“-Betrug bekannt ist. In diesen Fällen gründen die Täter eine Scheinfirma in einem EU-Land, die als Importeur oder Verkäufer der Elektrofahrräder fungiert. Das Unternehmen (oft nur eine Hülle) verkauft die importierten Fahrräder an Verbraucher und stellt ihnen die Mehrwertsteuer in Rechnung, verschwindet dann aber, ohne die Mehrwertsteuer an den Staat abzuführen. Wie das Europäische Amt für Betrugsbekämpfung (OLAF) erklärt, geht der Händler „verloren“ (missing), nachdem er die Mehrwertsteuer kassiert hat, und lässt die Steuerbehörden mit leeren Händen zurück. Diese Taktik wurde bei der polnischen Untersuchung beobachtet, bei der Scheinfirmen eingesetzt wurden, um die Zahlung von Millionen an Mehrwertsteuer beim Verkauf von Elektrofahrrädern zu vermeiden. Sie wird oft in Verbindung mit Zolltricks eingesetzt – zum Beispiel könnte ein Betrüger Elektrofahrräder unter Verfahren 42 importieren (Aufschub der Mehrwertsteuer bei der Einfuhr) und sie dann über eine inländische Scheinfirma verkaufen, die schließlich verschwindet. Das Ergebnis ist nicht nur die Umgehung von Zollabgaben, sondern auch unbezahlte Mehrwertsteuer entlang der Lieferkette.

Verschleierung der Herkunft durch Montage in Europa

Um speziell Antidumpingzölle zu umgehen, verschleiern einige Importeure die chinesische Herkunft von Elektrofahrrädern, indem sie diese in Einzelteilen versenden oder über Drittländer leiten. Eine große Untersuchung (Codename „Pedelecs“) ergab, dass ein portugiesisches Unternehmen seit 2020 zerlegte Elektrofahrräder aus China importiert und vor Ort wieder zusammengebaut hat. Durch den Import der Fahrräder als separate Teile (Rahmen, Motoren, Batterien separat versandt) wollten sie die hohen Zölle auf komplette Elektrofahrräder umgehen. Die Sendungen wurden gegenüber dem Zoll absichtlich falsch deklariert, als handele es sich lediglich um Fahrradkomponenten. Ähnlich deckten Behörden in Frankreich ein System auf, bei dem eine Gruppe chinesischer Unternehmen vollständig gebaute Elektrofahrräder in den Einfuhrdokumenten als „Ersatzteile“ präsentierte und so deren wahre Herkunft maskierte. Durch die künstliche Veränderung der deklarierten Form oder Herkunft des Produkts versuchten diese Importeure, Schlupflöcher in den 2018 erlassenen EU-Handelsmaßnahmen gegen chinesische Elektrofahrräder auszunutzen. In Italien ergab eine Untersuchung, dass ein Unternehmen fast 10 Millionen Euro an Zölle umging, indem es seit 2019 komplette Elektrofahrräder in zerlegter Form über mehrere kleine Sendungen importierte. Alle diese Fälle folgen demselben Muster: Das Produkt zerlegen oder neu etikettieren, um den „Made in China“-Zoll für Elektrofahrräder zu vermeiden, und dann den EU-Markt still und leise mit den wieder zusammengebauten Fahrrädern überschwemmen.

Nutzung von EU-Scheinfirmen und Lagern

Chinesische Verkäufer nutzen auch Unternehmensstrukturen in der Europäischen Union aus, um Schmuggeloperationen schwerer erkennbar zu machen. Durch die Registrierung von Scheinfirmen oder Partnerunternehmen in Ländern wie Frankreich, den Niederlanden oder Polen schaffen sie ein lokales „Gesicht“ für das Geschäft, während die eigentlichen Operationen in China verbleiben. Beispielsweise verhaftete die Europäische Staatsanwaltschaft (EPPO) in Paris im Jahr 2023 den Manager einer in Frankreich ansässigen chinesischen Importgruppe für Elektrofahrräder wegen eines Betrugs in Höhe von 26 Millionen Euro. Das System der Gruppe bestand darin, Elektrofahrräder über diese französischen Einheiten nach Europa zu bringen, während die chinesische Herkunft der Fahrräder verschleiert und Zölle vermieden wurden. Ein Unternehmen oder ein Lager auf EU-Boden ermöglicht es Verkäufern zudem, Produkte lokal zu horten. Im polnischen Fall wurden Tausende von Elektrofahrrädern in polnischen E-Commerce-Lagern gelagert und online von außereuropäischen Händlern verkauft, was den Käufern den Eindruck eines EU-basierten Verkaufs vermittelte. In Wirklichkeit waren diese Fahrräder ohne ordnungsgemäße Einfuhrgebühren eingeschleust worden. Ebenso stellte OLAF fest, dass illegale Sendungen, sobald sie sich innerhalb der Europäischen Union befanden, an Versandlager geliefert und ohne Mehrwertsteuer an Verbraucher verkauft wurden, was ehrliche Wettbewerber unterbot. Eine EU-Scheinfirma kann Mehrwertsteuerregeln missbrauchen (wie oben besprochen) und dann verschwinden, was die Durchsetzung erschwert. Diese Strukturen ermöglichen es Verkäufern auch, mit „Versand aus der EU“ zu werben – was Verbraucher zu der Annahme verleitet, das Produkt sei bereits verzollt, obwohl der Import in Wirklichkeit betrügerisch gewesen sein könnte.

Durchsetzungsmaßnahmen: Bedeutende Fälle in Europa

Zoll- und Betrugsbekämpfungsbehörden in der gesamten Europäischen Union verfolgen diese illegalen Importmodelle aktiv. Gemeinsame Operationen unter der Leitung von OLAF (Europäisches Amt für Betrugsbekämpfung) und der Europäischen Staatsanwaltschaft (EPPO) haben in Zusammenarbeit mit nationalen Zollbehörden zu bedeutenden Beschlagnahmungen von Elektrofahrrädern und entsprechenden Verhaftungen geführt. Die folgende Tabelle hebt mehrere hochkarätige Fälle hervor, die in den letzten Jahren aufgedeckt wurden und das Ausmaß des Problems sowie die Reaktion der Behörden zeigen:

Jahr Standort (Behörde) Details zum Betrugsschema Geschätzte Hinterziehung
2023 Frankreich (EPPO) Chinesisch geführte Importgruppe verschleierte Herkunft aus China; deklarierte komplette Elektrofahrräder als „Ersatzteile“, um EU-Handelsmaßnahmen von 2018 zu umgehen 26 Millionen Euro an Zöllen & Steuern
2024 Polen (OLAF) 20.000 Elektrofahrräder geschmuggelt durch missbräuchliches Versandverfahren; falsche Dokumente deklarierten Elektrofahrräder als andere Produkte; Waren in polnische Lager umgeleitet 8 Millionen Euro Antidumpingzölle + 4 Millionen Euro Mehrwertsteuer
2024 Italien (EPPO) Importe kompletter Elektrofahrräder in zerlegter Form (mehrere Teilesendungen), um 2019 eingeführte Antidumpingzölle zu vermeiden 9,8 Millionen Euro an Zöllen & Mehrwertsteuer hinterzogen
2025 Irland (OLAF) 4.000 Elektrofahrräder (plus Elektroroller) in E-Commerce-Lagern gefunden; Betrug durch falsche Warenanmeldungen und unbefugte Entnahme aus dem Transit 2,3 Millionen Euro unbezahlte Einfuhrzölle
2025 Portugal, DE, BE, NL (EPPO) Operation „Pedelecs“: Portugiesische Firma importierte zerlegte Elektrofahrräder (in China entworfen) zur Montage und zum Verkauf in der EU; deklarierte Teile falsch, um Zölle zu umgehen 2,25 Millionen Euro an Zollabgaben
2025 Niederlande (EPPO) Vier Verdächtige festgenommen, weil sie Elektrofahrrad-Importe systematisch unterbewertet und die Herkunft gefälscht haben (380 falsche Zollanmeldungen) 7,2 Millionen Euro an Zöllen hinterzogen; 9 Millionen Euro an Vermögenswerten beschlagnahmt

*Polnische Zollbeamte inspizieren ein Lagerhaus mit beschlagnahmten Elektrofahrrädern während einer gemeinsamen OLAF-Operation (Polen, 2024). Betrüger hatten diese Elektrofahrräder über Versandverfahren geleitet, um Antidumpingzölle zu umgehen, was zu einem der größten Schläge gegen illegale Elektrofahrrad-Importe führte.*

Wie die oben genannten Fälle zeigen, haben Strafverfolgungsbehörden Betrügereien aufgedeckt, die von einigen tausend bis zu zehntausenden Elektrofahrrädern reichen, wobei die Steuerverluste pro Fall in die Millionen Euro gehen. Die Europäische Staatsanwaltschaft, die 2021 ihre Arbeit aufnahm, hat sich auf diese grenzüberschreitenden Betrügereien gegen den EU-Haushalt konzentriert. Allein in den Niederlanden hat die EPPO im Jahr 2025 mehrere Untersuchungen zu Elektrofahrrad-Importbetrug eingeleitet, was die Priorität des Themas widerspiegelt. OLAF hat in Zusammenarbeit mit nationalen Zollbehörden ebenfalls koordinierte Aktionen geleitet. Beispielsweise waren die Razzien in irischen Lagerhäusern im Jahr 2025 Teil eines von OLAF geleiteten Vorgehens in mehreren Mitgliedstaaten. In diesem Fall hatten OLAF-Analysten den Zollbehörden Beweise für die spezifischen Betrugstechniken geliefert, die zur Umgehung von Einfuhrzöllen und Mehrwertsteuer eingesetzt wurden, was gezielte Beschlagnahmungen ermöglichte. Dieser kooperative Ansatz trägt Früchte: „Durch die enge Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten hilft OLAF sicherzustellen, dass diejenigen, die versuchen, EU-Regeln auszunutzen, identifiziert und gestoppt werden. Gemeinsam machen wir deutlich, dass ein solcher Missbrauch nicht ungeprüft bleibt“, sagte OLAF-Generaldirektor Ville Itälä. Die Botschaft dieser Durchsetzungsmaßnahmen ist, dass europäische Behörden Steuerbetrug im Bereich E-Mobilität aktiv verfolgen und die Täter – egal wie gut sie sich hinter Scheinfirmen oder falschen Rechnungen verstecken – zunehmend gefasst werden.

Risiken für Verbraucher: Warum sich billige illegale Importe nicht lohnen

Verbraucher könnten von den niedrigen Preisen für Elektrofahrräder oder Elektroroller angezogen werden, die direkt von Übersee-Verkäufern angeboten werden. Der Kauf eines Produkts, das geschmuggelt oder illegal importiert wurde, ist jedoch mit erheblichen Risiken und versteckten Kosten verbunden. Zu den Gefahren und Nachteilen für Verbraucher gehören:

  • Gefahren für die Produktsicherheit: Geschmuggelte Elektrofahrräder und Elektroroller entsprechen möglicherweise nicht den EU-Sicherheitsstandards. Rechtmäßige Importeure müssen sicherstellen, dass Fahrzeuge über ordnungsgemäße CE-Kennzeichnungen, zertifizierte Batterieladegeräte und die Einhaltung von Vorschriften wie der Maschinenrichtlinie und Batteriesicherheitsregeln verfügen. Betrügerisch importierte Geräte umgehen diese Prüfungen oft. Dies erhöht das Risiko von Unfällen, wie Batteriebränden oder elektrischen Fehlfunktionen. Brandschutzbehörden warnen, dass viele billige Elektrofahrrad-Batterien und Umbausätze, die online verkauft werden, gefährliche „tickende Zeitbomben“ sind, die sich in heftige Brände verwandeln können. Ohne ordnungsgemäße Aufsicht können minderwertige Lithium-Batterien oder Ladegeräte tödliche Gefahren darstellen. Wenn Sie bei einem unbekannten Verkäufer kaufen, der den Zoll umgangen hat, haben Sie keine Garantie, dass das Produkt getestet wurde oder überhaupt authentisch ist.
  • Unerwartete Steuerrechnungen oder Beschlagnahmungen: Wenn ein Paket nicht ordnungsgemäß deklariert ist, könnten Sie als Käufer bei der Ankunft eine böse Überraschung erleben. Nach EU-Recht unterliegen alle Importe der Mehrwertsteuer (und Zöllen, wenn der Wert über 150 € liegt). Seriöse Online-Plattformen berechnen diese normalerweise beim Bezahlen oder nutzen das Import-One-Stop-Shop-System. Wenn ein Verkäufer jedoch ein Elektrofahrrad heimlich versendet (zum Beispiel falsch deklariert als geringwertiger Artikel), könnte der Zoll es abfangen und Sie für die unbezahlte Mehrwertsteuer/Zölle haftbar machen. In der Praxis können Zustelldienste verlangen, dass Sie die ausstehenden Einfuhrgebühren (plus Verwaltungsgebühren) bezahlen, bevor sie das Paket aushändigen. Im schlimmsten Fall könnten die Waren vom Zoll wegen Verstoßes gegen Einfuhrgesetze beschlagnahmt werden, sodass Sie am Ende ganz ohne Produkt dastehen.
  • Keine Garantie oder Unterstützung: Illegale Importeure sind heute hier und morgen weg. Wenn sich Ihr Elektrofahrrad als defekt herausstellt oder die Batterie nach wenigen Monaten den Geist aufgibt, könnte es unmöglich sein, Kundendienst oder eine Rückerstattung zu erhalten. Echte Marken, die über autorisierte Händler verkauft werden, bieten in der Regel Garantien und Ersatzteile an. Im Gegensatz dazu agieren viele zwielichtige Marktplatz-Verkäufer über Scheinfirmen, die wieder verschwinden (das bereits erwähnte „Missing Trader“-Szenario). Verbraucher in Foren haben von Fällen berichtet, in denen Elektrofahrräder bestellt wurden, die angeblich aus einem lokalen EU-Lager versandt wurden, nur um dann gar nichts oder einen unbrauchbaren Artikel per Post zu erhalten. Während große Plattformen wie AliExpress oder Amazon offensichtlichen Betrug erstatten können, ist dies mühsam und nicht garantiert, wenn der Verkäufer bereits verschwunden ist.
  • Ethische und rechtliche Probleme: Der Kauf eines Produkts, bei dem Einfuhrsteuern umgangen wurden, kann – auch unwissentlich – weitreichende Folgen haben. Er trägt zu unfairem Wettbewerb gegenüber gesetzestreuen Unternehmen bei und kann indirekt organisierten Betrug unterstützen. In seltenen Fällen könnten Behörden gegen Käufer ermitteln, wenn Beweise für eine vorsätzliche Beteiligung an der Hinterziehung vorliegen (obwohl sich die Durchsetzung meist gegen die Verkäufer richtet). Die Unterstützung des Graumarktes untergräbt die Grundsätze des Verbraucherschutzes und der Steuergerechtigkeit.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Auch wenn dieser preiswerte Elektroroller oder das Elektrofahrrad von einer Übersee-Website im ersten Moment Geld spart, kann dies erhebliche versteckte Gefahren bergen. Sowohl aus sicherheitstechnischer als auch aus finanzieller Sicht überwiegen die potenziellen Nachteile die anfänglichen Ersparnisse bei weitem.

Breitere wirtschaftliche Folgen

Der Schmuggel von Elektrofahrrädern und Elektrorollern aus China schadet nicht nur einzelnen Verbrauchern – er hat weitreichende Auswirkungen auf die europäische Wirtschaft und Industrie. An erster Stelle steht der Verlust von Staatseinnahmen. Jeder Container mit nicht deklarierten Elektrofahrrädern bedeutet zehntausende Euro an unbezahlten Zöllen und Mehrwertsteuer, die den öffentlichen Haushalten fehlen. Beispielsweise schätzte eine OLAF-Untersuchung, dass in einem einzigen System 12 Millionen Euro an Zöllen und Steuern hinterzogen wurden. Multipliziert man solche Fälle in ganz Europa, summieren sich die Steuerverluste und verringern die Mittel, die für öffentliche Dienstleistungen oder Infrastruktur verwendet werden könnten.

Ein weiterer großer Einfluss betrifft den fairen Wettbewerb und lokale Unternehmen. Europäische Elektrofahrrad-Hersteller und rechtmäßige Importeure sind massiv benachteiligt, wenn Konkurrenten Produkte ohne die gleiche Kostenbelastung einschleusen. Die Europäische Union hat ihre Antidumpingzölle genau deshalb eingeführt, um die Wettbewerbsbedingungen anzugleichen und die EU-Elektrofahrrad-Industrie zu schützen (die rund 12.000 Menschen beschäftigt), damit sie nicht durch subventionierte Importe unterboten wird. Wenn skrupellose Verkäufer diese Zölle umgehen, untergräbt dies diese Schutzmaßnahmen. Der OLAF-Direktor merkte an, dass Betrüger durch Steuerhinterziehung Fahrräder zu „sehr wettbewerbsfähigen Preisen verkaufen können – was einfach ist, wenn man Steuern hinterzieht“, und damit die Arbeitsplätze ehrlicher europäischer Arbeitnehmer gefährden. In Frankreich warnte der E-Commerce-Verband FEVAD, dass chinesische Online-Plattformen, die keine Zölle zahlen, „eine Bedrohung für alle Einzelhändler“ darstellen, da ein französisches Unternehmen, das dasselbe Produkt importiert, Einfuhrsteuern zahlen muss, während die Übersee-Plattform dies nicht tut. Diese Art von unfairem Wettbewerb kann rechtmäßige, in der EU ansässige Verkäufer aus dem Markt drängen.

Die Zunahme unverzollter Importe birgt auch das Risiko, einen Abwärtswettlauf zu fördern. Wenn dies ungeprüft bleibt, könnten sich gesetzestreue Unternehmen gezwungen fühlen, Abstriche zu machen, um wettbewerbsfähig zu bleiben, was zu mehr illegalem Handel und einer weiteren Erosion von Standards führt. Zudem kann die Flut an extrem billigen Elektrofahrrädern das Markenvertrauen schwächen und den Markt mit minderwertigen Produkten überschwemmen, was wiederum das Vertrauen der Verbraucher in die E-Mobilität schädigen kann.

Leitfaden für Verbraucher: Wie man Betrug vermeidet und sicher kauft

Für Verbraucher, die ein Elektrofahrrad oder einen Elektroroller kaufen möchten, gibt es mehrere Schritte, um sicherzustellen, dass Sie ein rechtmäßiges Produkt erhalten und nicht unwissentlich Betrug unterstützen. Hier sind einige Tipps für einen informierten und sicheren Kauf:

  • Kaufen Sie bei seriösen Verkäufern oder offiziellen Händlern: Kaufen Sie Elektrofahrräder oder Elektroroller nach Möglichkeit bei etablierten Marken, autorisierten Händlern oder bekannten Einzelhandelsplattformen, die die EU-Einfuhrbestimmungen einhalten. Seien Sie vorsichtig bei kurzlebigen Online-Marktplatz-Anbietern, die unglaubliche Preise anbieten.
  • Vorsicht bei Preisen, die „zu gut um wahr zu sein“ sind: Extrem niedrige Preise können ein Warnsignal für Steuerhinterziehung oder Betrug sein. Vergleichen Sie den Preis mit der typischen Marktspanne für dieses Modell. Wenn ein 2.000 € teures Elektrofahrrad von einem unbekannten Verkäufer für 1.000 € verkauft wird, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Kosten durch illegale Mittel gesenkt wurden.
  • Stellen Sie sicher, dass Mehrwertsteuer und Zoll abgewickelt werden: Nach EU-Recht muss für alle Importe Mehrwertsteuer gezahlt werden. Wenn Sie bei einem Übersee-Verkäufer kaufen, prüfen Sie, wie die Steuern erhoben werden. Wenn ein Verkäufer bei einem Artikel über 500 € mit „kostenlosem Versand, keine Steuern“ wirbt, ist das ein Warnsignal. Gehen Sie im Zweifelsfall davon aus, dass Mehrwertsteuer/Zölle anfallen, und kalkulieren Sie diese in die Kosten ein.
  • Achten Sie auf Konformität und Zertifizierung: Prüfen Sie, ob das Produkt den EU-Standards entspricht – dies ist sowohl ein Sicherheitsthema als auch ein Zeichen für Rechtmäßigkeit. Das Elektrofahrrad oder der Elektroroller sollte ein CE-Zeichen tragen und mit ordnungsgemäßen Unterlagen geliefert werden. Denken Sie daran: Wenn Sie einen Artikel direkt importieren, werden Sie technisch gesehen zum „Importeur“, der für die Einhaltung der Vorschriften verantwortlich ist – eine Last, die die meisten Verbraucher nicht tragen sollten.
  • Sicher bezahlen und Aufzeichnungen führen: Nutzen Sie Zahlungsmethoden, die Käuferschutz bieten (Kreditkarte, seriöse Zahlungsdienste) anstatt direkter Banküberweisungen an unbekannte Verkäufer. Auf diese Weise haben Sie eine Möglichkeit, die Zahlung anzufechten, falls der Artikel nie ankommt oder massiv von der Beschreibung abweicht.

Durch das Befolgen dieser Richtlinien können Verbraucher die Wahrscheinlichkeit erheblich verringern, Opfer von Schmuggelmodellen oder unsicheren Produkten zu werden. Der Schlüssel liegt darin, informiert und wachsam zu bleiben: Wissen Sie, bei wem Sie kaufen, bestehen Sie auf Konformität und seien Sie misstrauisch gegenüber Angeboten, die unglaubwürdig erscheinen. Dies schützt nicht nur Sie als Verbraucher, sondern unterstützt auch faire Geschäftspraktiken und die Entwicklung eines gesunden, wettbewerbsfähigen Marktes für Elektrofahrräder und Elektroroller auf lange Sicht.

Haftungsausschluss: Dieser Artikel basiert auf Untersuchungen und Fällen, die bis 2025 gemeldet wurden, einschließlich Quellen des Europäischen Amtes für Betrugsbekämpfung (OLAF), der Europäischen Staatsanwaltschaft (EPPO) und anderer offizieller Berichte. Beziehen Sie sich für aktuelle Informationen immer auf die neuesten Zollvorschriften und Verbraucherhinweise.

Quellenverzeichnis

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